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Bio

Dr. Sarvenaz Safari

(see below for English)

 

„Ich interessiere mich für den Moment, ein Augenblick kann eine große Komplexität haben. […] Wir, Menschen, dehnen einen Augenblick aus. Das beschäftigt mich in meiner Musik.“

 

– Kreuzer 2017

 

 

Die Ausdehnung eines Augenblicks ist der Leitfaden und gleichzeitig der Schlüssel zum Verstehen der musikalischen Welt der Komponistin Sarvenaz Safari (*1984). Ihre kompositorischen Interessen liegen an Ausdrücken, die trotz sparsamen Materials immer wieder neue Horizonte beleuchten, an der Dramaturgie des Geschehens, die den Moment preist und feiert, sowie an der Sinnlichkeit, durch die Musik erst zur Musik wird. Dies geschieht unter anderem im Rahmen der Arbeit mit den Verzierungen; ein Element, das in den Arbeiten der deutsch-iranischen Komponistin gerade durch ihre Verwurzelung in der persischen sowie west-europäischen Musik innewohnt. Die im kleinsten Raum zelebrierte Bejahung des Lebens durch Verzierungen und Ornamentieren spiegelt sich beispielhaft im Zyklus „Kaleidoskop“ für Soloinstrumente (seit 2019) – ein musikalisches Chiaroscuro der immer wiederkehrenden Objekte.

 

Das kompositorische Credo der Komponistin – „Ich mag es, das Widersprüche in eine Einheit zu bringen.“ – spiegelt sich in den zärtlich-herben Klangfarben, in der progressiven und gleichzeitig rückblickenden sowie in der persönlichen und dennoch geschichtsbewussten Ausdrucksweise ihrer Musik wider. Offen ist Safari nicht nur für etablierte Besetzungen wie Solowerke, Musiktheater (Ein Nachspiel zu „Peter und der Wolf“ – 2011), Kammermusik (Music, pink and blue für Klarinette und Streichquartett– 2021) oder Chor a cappella (Nova – 2020 oder Fairy Lights – 2022), sondern auch für neuere Farben (AMA-teur-Gesänge für acht Kontrabässe – 2019 oder Re: für Violine, Marimba und Klarinette – 2022). Der Einsatz der historischen Instrumente (Postkartenvariationen – 2018 oder Double-Tilde für Tenorblockflöte und Harfe – 2022) sowie der improvisatorisch offenen Formen (e.s.a.d.w. für Gitarre – 2013 oder Dialog für Stimme – 2020) gehört ebenfalls zu ihrem Interessenbereich. Vor diesem Hintergrund sieht sich Sarvenaz Safari als eine Komponistin hierjetzt und im 21. Jahrhundert.

 

Die durch enge und persönliche Zusammenarbeit mit den Interpret:innen entstandene musikalische Entwicklung gehört u.a. zum gewöhnlichen kompositorischen Weg von Safari. Zu den Interpreten ihrer Werke zählen u. a. Franziska Kuba, Helēna Sorokina, Felix Kroll, Caspar Frantz, Atilla Aldemir, Frithjof-Martin Grabner, Wolfgang Manz, sowie Ensembles wie etwa Amaryllis-Quartett, Quatuor hermés, Ensemble Neue Kammer, Duo runge & ammon, Duo L´Oro, OrgaVoce, usw.

 

Aufgewachsen in einer Familie von Bildenden Künstlern in Teheran und als Enkelkind des Malers und Bildhauers Hossein Golshenas Rad zeigte sie schon früh ihr Interesse an der Musik. Zeitgleich mit der musikalischen Ausbildung in ihrer Heimatstadt studierte sie an der Universität Teheran auch Deutsche Literatur. Ihre Leidenschaft zur Literatur und Dichtung ist bis heute ein Bestanteil von ihrem kunstschaffenden Profil. Ihre literarischen Veröffentlichungen ist ein Ausdruck für diese Passion. Ihr zweites Bachelorstudium im Fach „Komposition und Musiktheorie“ schloss sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz ab, wo sie vor allem Unterricht bei Georg Friedrich Haas, Clemens Gadenstätter und Alexander Stankovski besuchte. Von 2009 bis 2012 studierte sie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei György Ligetis Schüler und Freund Manfred Stahnke.

 

2015 gab sie gemeinsam mit Stahnke das Buch 1001 Mikrotöne heraus, in dem das Phänomen Mikrotonalität nicht nur in ihrer Diversität, sondern auch von wenig bekannten Seiten dargestellt wird. Im Forschungskontext der zeitgenössischen Musik (Dr. phil.) befasste sich die Komponistin in ihrem Buch An der Schnittstelle von Mensch und Maschine – „Das Theater der Wiederholungen“ von Bernhard Lang (2020) mit Gedanken zum Verhältnis von Mensch und Maschine sowie ihrer „Zweisamkeit“ im 21. Jahrhundert, speziell in dem im Titel genannten Musiktheater.

 

Sarvenaz Safari arbeitet in Leipzig seit 2013 als Dozentin für Musiktheorie und Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ sowie seit WS 2023/24 an der Universität der Künste Berlin.

 

Sie lebt in ihrer Wahlheimat Berlin.

 

Stand: Mai 2024

 

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English

“I am interested in the moment, a moment can have great complexity. [...] We, human beings, stretch out a moment. That’s what engages me in my music.”

 

– Kreuzer 2017

 

The expansion of a moment is the guiding principle and simultaneously the key to understanding the musical world of composer Sarvenaz Safari (*1984). Her compositional interests lie in expressions that continually illuminate new horizons despite sparse material, in the dramaturgy of events that praises and celebrates the moment, and in the sensuality through which music becomes music in the first place. This happens, among other things, in the context of work with ornamentation; an element inherent in the works of the German-Iranian composer precisely because of her roots in Persian as well as Western European music. The affirmation of life celebrated in the smallest of spaces through ornamentation is exemplarily reflected in the cycle "Kaleidoskop" for solo instruments (since 2019) - a musical chiaroscuro of recurring objects.

 

The composer's compositional credo - "I like to bring contradictions into unity."- is reflected in her music’s tenderly austere timbres,  in its progressive but also retrospective expression that is personal and yet historically conscious.

Working not only with established genres such as solo works, musical theater (An Epilogue to "Peter and the Wolf" - 2011), chamber music (Music, pink and blue for clarinet and string quartet- 2021) or chorus a cappella (Nova - 2020 or Fairy Lights - 2022), but also to newer colors (AMA-teur-Gesänge for eight double basses - 2019 or Re: for violin, marimba and clarinet - 2022). The use of historical instruments (Postcard Variations - 2018 or Double-Tilde for tenor recorder and harp - 2022) as well as improvisational open forms (e.s.a.d.w. for guitar - 2013 or Dialog for voice - 2020) is also part of her field of interest. With this background, Sarvenaz Safari sees herself as a composer here, now and in the 21st century.

 

The musical development, created through close and personal collaboration with the performers, is part of Safari's usual compositional path, among others. Some o the performers of her works are Franziska Kuba, Helēna Sorokina, Felix Kroll, Caspar Frantz, Atilla Aldemir, Frithjof-Martin Grabner, Wolfgang Manz, as well as ensembles such as Amaryllis-Quartett, Quatuor hermés, Ensemble Neue Kammer, Duo runge & ammon, Duo L'Oro, OrgaVoce, etc.

Growing up in a family of visual artists in Tehran and being the grandchild of painter and sculptor Hossein Golshenas Rad, she showed her interest in music at an early age. Simultaneously with her musical education in her hometown, she also studied German literature at Tehran University. Her passion for literature and poetry is still a part of her artistic profile. Her literary publications are an expression of this passion. She completed her second bachelor's degree in "Composition and Music Theory" at the University of Music and Performing Arts Graz where she mainly attended classes with Georg Friedrich Haas, Clemens Gadenstätter and Alexander Stankovski. From 2009 to 2012, she studied at the Hochschule für Musik und Theater Hamburg with György Ligeti's student and friend Manfred Stahnke.

 

Together with Stahnke, she later published the book 1001 Microtones in which the phenomenon of microtonality is presented not only in its diversity, but also from previously little-known sides. Her monograph (DPhil) At the Intersection of Man and Machine – “Das Theater der Wiederholungen” by Bernhard Lang (2020) deals with the relationship of human beings and machines as well as their “togetherness” in the 21st century, specifically in work of Bernhard Lang.

 

Sarvenaz Safari has been working in Leipzig since 2013 as a lecturer for music theory and musicology at the Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" and since 2023 at Berlin University of the Arts.

 

She lives in Berlin.

Current as of May 2024

 

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