Signs of life

Das Tagebuch
eines
unsichtbaren Dings

 

15. Eine Mietwohnung in Berlin

 

Nicht weniger als eine Faust-Aufführung hat es mir Gedanken gekostet;

und zum Glück war die Premiere ein Erfolg.

 

Der Tag kam, als ob er schon vor Dinosaurierzeit geplant wäre;

wie schön, dass für die Zukunft keine Regel gibt.

 

Ich werfe den Würfel

und hoffe auf ein Ass,

denn das 15. Gedicht kam gerade am richtigen Tag!

 

 

Berlin, den 15.06.2022

***

13. Abschied vom Tannenbaum

 

Ich hätte fast vergessen,

dass Du bei jeder Laune von mir da standest.

 

Ich hätte auch beinahe vergessen,

dass Du bei jedem Sturm nur sanft Deine Äste bewegen lässt;

so eine Art Zeichen: „Ich denke an Dich.“

 

Was ich aber nicht vergessen werde, 

sind die Schattierungen von Deinem ewigen Grün;

ein Beweis dafür,

dass es nicht nur einen Weg gibt.

 

Was auch immer geschehen mag,

nehme ich Dich mit.

Ich zoome Dich aus und tue Dich in meine Schatztruhe;

ein Grund dafür,

mehr in dieser Welt dankbar zu sein.

 

 

Berlin, den 18.05.2022

 

***

12. Quad-Erinnerungen im Quadrat

 

Ein Aprilnachmittag.

Manchmal kommt die Sonne und manchmal nicht.

Aber an dem Tag war sie da.

 

Mit dem Quad durch die Weinfelder.

Das erste Erlebnis.

Aber hoffentlich nicht das letzte.

 

Die getrockneten Blumen

behüte ich in einem Bilderrahmen.

Aber ihre Düfte lassen sich nicht fangen.

 

Ein Moment, eine Ewigkeit.

Die Kürze des Berührens.

Die Erinnerungen an diesem Tag behalte ich in einem Quadrat meines Herzens.

 

Berlin, den 22.04.2022

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11. Keine Konkurrenz

Ein Stück von der Welt wartet auf Dich,

ob Du nun den falschen Zug nimmst

oder ob er ausfällt.

 

Der große Tannenbaum steht immer grün vor

Deinem Fenster,

ob Du im Winter ankommst oder im Spätsommer.

 

Der Glückskork versteckt sich am Kühlschrankgriff.

Er lässt sich gerne Zeit.

Du kannst ihm trotzdem einen Blick schenken.

 

Ich will nur sagen:

Sei lieb zu Dir!

 

 

 

Berlin, den 02.03.2022

***

10. Lebensversicherung

Ich weiß, was ich noch versichern will:

Meinen rechten Kleinfinger;

Vor allem, wenn er beim Nachdenken meine Wange berührt.

 

Die grauen Haare,

die aber weiter auf ein langes und reiches Leben hoffen.

 

Meine Lebenslust, 

die sich sogar in den dunkelsten Stunden des Lebens ein Galadinner vorbereiten will.

 

 

Ich weiß, was ich noch versichern will:

Die kleinen Portmonee-Münzen, 

die sich freuen, wenn sie im Sparschweinchen der lieben Bäckerin landen.

 

Die Royal-Wasserkaraffe, 

die am liebsten eine Zitronenscheibe mit Wasser vereint aber natürlich mit Sprudel.

 

Der Kaffee-Pappbecher, 

der ein Smiley auf sich malen lässt; er mag nämlich nicht den Restmüll als zu Hause haben.

 

 

Ich weiß, was ich noch versichern will:

Dies und das.

Jenes und Vieles.

Und natürlich Alles.

Aber wirklich Alles.

 

 

Eins fällt mir noch ein:

Die Freude in Deinen Augen,

die sich aber zu keinem Preis versichern lässt.

21.09.2021

***

 

 

 

 

 

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